Zerrissen
Ich sitze auf dem Balkon, schaue in den Starkregen und versuche weiterhin das Unabänderliche zu akzeptieren und emotional damit umzugehen: das Therapieende.
Natürlich war mir von Anfang an bewusst, dass eine Therapie endet. Und, dass ich damit immense Schwierigkeiten habe, das habe ich gleich zu Beginn der Therapie gesagt. Trotzdem fühle ich mich gerade fürchterlich "zerrissen". Ich schwanke zwischen "ich schaffe das" und "ich glaube ich werde in meinen Tränen 'ersticken'". Und doch: ich habe das alles so gewollt! Weil ich nicht mehr leiden möchte. Doch zwischen Theorie und Praxis ist ein himmelweiter Unterschied.
Ich würde in der nächsten Sitzung so gerne erzählen, was mich bewegt. War es nicht so, dass wir uns in der Therapiestunde alles erzählen können? Warum dann nicht auch schonungslos offen, dass ich das Gefühl habe den Abschied nicht zu schaffen? Es mich innerlich zerreisst, bei dem Gedanken daran. Meine Emotionen mich übermannen. Sicher, ich kenne die Gefühle. Sie waren immer da bei Abschieden. Ich traue mich nur gerade nicht, sie meinem Therapeuten anzuvertrauen. Warum eigentlich nicht? Das Vertrauen jedenfalls ist da.
Ich habe die Erinnerung an Vergangenes. Aber was nützt mir die im Hier und Jetzt? Wenn ich die Person jetzt brauche? Klar akzeptiere ich Regeln und Vereinbarungen...dachte ich jedenfalls.
Was soll ich antworten, wenn man mir sagt, dass ich es auch bis hierhin geschafft habe? Sicher, habe ich das. Die Frage ist nur "wie". Dass es mich teilweise alle Kraft kostet, ich in Tränen zerfliesse, der Schmerz in mir fast meinen Verstand raubt. Das alles ist nach aussen nicht sichtbar.
Mir es gestern Abend wieder so schlecht ging, dass ich nicht schlafen konnte. Ich die doppelte Dosis an Beruhigungsmitteln nehmen musste, um überhaupt etwas in den Schlaf zu kommen. Ich mich gerade völlig emotionslos fühle und mir fast alles egal ist. Ich aber letzteres skurrilerweise ganz angenehm finde, weil meine Intrusionen und das Gedankenkarussell dann stoppen.
Wie soll ich das alles erklären?
Und: muss ich es überhaupt erklären? Ein Psychotherapeut kann sich das vielleicht schon annähernd denken...
Bevor ich diese Zeilen schrieb, war ich kurz davor meine nächste Therapiestunde abzusagen. Weil ich dachte, ich packe das emotional nicht. Aber Schreiben befreit offensichtlich tatsächlich und lässt mich die Dinge wieder in einem ganz anderen Licht erscheinen.
Ich habe Angst vor dem Ungewissen, was mich da ab Oktober erwartet. Gerade mit meinem schwierigen Thema macht es mir alles große Sorgen. Wird noch eine Therapie überhaupt bewilligt? Und, wenn ja, wer wird mich therapieren? Wird die "Chemie" zwischen uns stimmen? Und, was mache ich, wenn das alles negativ ausfällt?
Und wie soll ich meinen Therapeuten später wiederfinden? Möchte er überhaupt gefunden werden? Und woher weiss ich, dass er praktiziert? Diese Fragen machen mich schon wieder ganz "kirre"! Und am Liebsten würde ich jetzt aufhören. Aber mir geht es zu schlecht, als dass ich an dieser Stelle aufgeben könnte....
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